Recycling im Rückspiegel: Ein Resümee zum Umwelttag 2026 der HAK Bregenz
Du Ländle, meine teure Heimat,
früher warst du einmal grün;
begrüße deine schönen Wüsten,
wo Mangos und Papayas blüh’n.
So oder ähnlich wird man wohl in ein, zwei Dekaden die Landeshymne Vorarlbergs umdichten müssen. Der Klimawandel ist nämlich nicht mehr wegzuleugnen, und da ändern auch ein paar verregnete Juliwochen nichts an einem Gesamtbild, in dem die Silvretta-Gletscher dahinschmelzen wie ein Twinni im Freibad. Aber es geht auch anders: Es gibt sowohl zahlreiche private Initiativen als auch Player aus der Wirtschaft, die sich gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft stellen und sich für einen schonenderen Umgang mit der mehr als nur angeknacksten Ökosphäre unseres Planeten einsetzen. Deshalb haben wir es uns an der HAK Bregenz zum Ziel gesetzt, zu zeigen, dass Wirtschaft und Klimaschutz keinen Widerspruch darstellen müssen. Daher haben wir zum Umwelttag 2026 heimische Firmen und Initiativen eingeladen, die sich durch ihr Engagement in diesem Bereich ausgezeichnet haben. Natürlich als Zero-Waste-Event, denn Schule schafft Vorbild.
Da wäre zum Beispiel das Reparaturcafe´ Bregenz. Hier wurde vor einer interessierten Schülerschaft live gehämmert, gesägt, gelötet und geschraubt. In einer Zeit, in der Wegwerfen statt Wiederherstellen angesagt ist, sind die Freiwilligen des Reparaturcafe´ ein dringend benötigter Gegenpol. Und das Beste: Jeden zweiten Samstag im Monat kann man sich davon selbst ein Bild machen und seine defekten Geräte zur Reparatur bringen – und das gänzlich kostenlos.
Die carla ist eine Initiative der Caritas, die Altkleiderspenden sammelt, aufwertet und wieder in den Kreislauf bringt. Auf dem Umwelttag war man hier nicht nur mit einem Informationsworkshop vertreten. Auch die Kleidung für den Recycling-Runway wurde von der carla gestellt. Dort durften mutige SchülerInnen sich mit Second-Hand-Mode einkleiden und ihre Outfits auf dem Laufsteg präsentieren. Auch Second Hand kann First Class sein!
Das Thema Energie wird uns wohl noch sehr lange beschäftigen. In Zeiten, in denen eine einzige Anfrage an künstliche Intelligenzen tausende Kilowattstunden verbraucht, lohnt es sich oft, auf den eigenen Stromverbrauch zu achten. Um diese Energiemengen zu visualisieren, hatte ein Schülerteam ein Standbike mitgebracht, bei dem man mittels Muskelkraft eine Glühbirne betreiben durfte. Dabei kamen nicht nur die SchülerInnen ins Schwitzen!
Stichwort Energie: Besonders erfreulich war es, dass heuer zwei private Energiegemeinschaften ihre Premiere am Umwelttag gaben. Die EEG Hofsteig und die Sonnenwert sind zwei Initiativen, bei denen sich Privatpersonen zusammenschließen und ihren selbsterzeugten Solarstrom zu fairen Preisen ins Netz der vkw einschleusen. Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne, erkannte schon vor über hundert Jahren, dass die Kraft der Sonne genutzt werden sollte. Während zu seinen Zeiten aber eine private Nutzung von Solarenergie noch undenkbar erschien, ist diese Technologie im 21. Jahrhundert endlich auch für Privathaushalte erschwinglich, und es freut zu sehen, dass sie auch genutzt wird!
Sportliche Herausforderungen rundeten das Programm ab: Beim Müllsackhüpfen, Restmüll-Weitwurf und dem Recycling-Staffellauf war körperliche Betätigung angesagt. Das auf diesem spielerischen Wege erworbene Wissen wurde mit einem Umweltquiz gefestigt, und wer alle Herausforderungen gemeistert hatte, durfte sich mit einer hausgemachten, klimafreundlichen Jause aus der Küche der 4ca stärken.
Neben den diversen privaten Initiativen war aber auch die Vorarlberger Industrie stark vertreten:
Bei Mawera werden Holzheizanlagen hergestellt, deren Umweltbilanz dank lokal nachwachsender Rohstoffe besser ausfällt als bei anderen Brennstoffquellen – tatsächlich heizt man mit Pellets sogar CO2-neutral! Um das zu visualisieren, durften die SchülerInnen mittels einer 3D-Brille einen virtuellen Rundgang durch eine solche Heizanlage machen. Ein beeindruckendes Spektakel, das einen bleibenden Eindruck bei so manchen SchülerInnen hinterließ.
Wer in Vorarlberg lebt, dem ist die Firma Loacker durch die Omnipräsenz der ikonischen blauen Müllsammelfahrzeuge ein Begriff. Auch der Autor dieses Artikels hat sich einst in den Ferien auf einem solchen LKW seine ersten Sporen im Ländle verdient. Der Konzern nimmt eine zentrale Rolle in der Kreislaufwirtschaft unseres Bundeslandes ein. Am Stand von Loacker wurde diesmal gerätselt: Mit einem QR-Quiz wurde die Schülerschaft über Umweltthemen aufgeklärt.
Neu am Umwelttag war heuer der weltweit operierende Seilbahnhersteller Doppelmayr vertreten. Am Stand konnte man sich nicht nur über das Umweltkonzept des Konzerns informieren, sondern auch mittels einer garantiert umweltverträglichen Miniatur-Gondel mental mitten in die Alpen versetzen. Näher an der Natur ist nur die Natur selbst.
Ebenfalls eine Premiere gab es für den größten Arbeitgeber des Ländles: Die Blum-Gruppe war mit einem Stand präsent und zeigte in den Podiumsdiskussionen auf, dass man es durch ein geschicktes Kantinen-Konzept selbst in einem Großkonzern schaffen kann, die bei uns an der HAK leider allzu oft durch Essenslieferungen anfallenden Müllberge zu reduzieren.
Lässt sich aus dem Engagement dieser Betriebe und Initiativen nun eine Trendwende beim Klimaschutz ablesen? Nein. Industrie, Transportwesen und Individualkonsum sind nach wie vor die größten Treiber der Erderwärmung, und gerade beim letzterem sollten wir uns alle selbst an der sonnenverbrannten Nase nehmen und uns vor jeder Anschaffung fragen: Brauche ich das alles eigentlich?
Und dennoch: Es gibt sie, die Einzelnen, die Kollektive und die Firmen, die sich dafür einsetzen, dass unser Planet noch länger bewohnbar bleibt. Der Umwelttag 2026 war ein kräftiges Zeichen, dass es mehr Menschen gibt, denen das bewusst ist, als man meinen möchte. In diesem Sinne möchte ich mit der zweiten Strophe meiner neuen Vorarlberger Landeshymne schließen, die hoffentlich nie Realität werden möge:
Du Ländle, meine teure Heimat,
wo Vater Rhein dem Berg entspross,
ist heute Salz und Schlamm, wo er sich
in den Bodensee ergoss.
Für die HAK Bregenz
Florian Wiesbauer