Exkursion der Philosophiegruppe zum buddhistischen Kloster am Letzehof in Feldkirch
Manchmal braucht es keinen großen Lärm, um einen bedeutenden Schlusspunkt zu setzen. Manchmal genügt ein sonniger Tag, offene Gedanken und ein Ort der Stille. So führte uns der Abschluss unseres Freifachs Psychologie und Philosophie hinaus aus dem Klassenzimmer – hinein in eine Welt, die weniger Antworten gibt, als sie Fragen vertieft.
Zwanzig Schüler:innen machten sich am 21.4. auf den Weg zum buddhistischen Kloster Letzehof in Feldkirch, wo uns Mönch Manfred mit ruhiger Präsenz empfing. Schon im ersten Moment war spürbar: Hier gelten andere Rhythmen, andere Maßstäbe.Im Gebetsraum wurde aus Neugier ein lebendiger Dialog. Eine große Fragerunde entstand – ehrlich, direkt, manchmal suchend, manchmal überraschend klar. Es ging um das Leben, das Denken, das Leiden, die Liebe, das Glück. Um all das, was sich nicht in Formeln pressen lässt.
Die anschließende Führung führte uns vorbei an der Jurte bis zur Stupa, einem Ort der Sammlung und inneren Einkehr. Dort bekamen wir nicht nur Einblicke in die Symbolik und Praxis des Buddhismus, sondern auch die Gelegenheit, selbst zu erleben: In zehn meditativen Runden um die Stupa wurde das Gehen langsamer, der Atem bewusster – und vielleicht auch der Blick auf das eigene Leben ein wenig weiter. Im kleinen Tempel setzten wir die Reise fort. Gebetsrollen wurden in Bewegung gesetzt, Rituale erklärt, Bedeutungen erschlossen. Es war ein stilles Lernen, das weniger im Kopf als im Erleben stattfand.
Den Abschluss bildete die Teeküche – ein Ort der Wärme und Begegnung. Tibetische Köche servierten Tee, dazu wurden exotische Süßigkeiten probiert. Und während wir gemeinsam saßen, wurde weiter philosophiert: über das, was war, und über das, was kommt. Über Ziele, Wege und Möglichkeiten nach der Matura.
Vielleicht blieb dabei besonders ein Gedanke hängen: Im Buddhismus geht es darum, ein guter, ein „vollkommener“ Mensch zu werden – nicht im Sinne von Perfektion im Außen, sondern als innerer Weg zu einem tiefen, beständigen Glück. Ein Glück, das nicht vergeht. Ein Zustand, aus dem man nicht mehr hinaus will.
Und doch führt unser Weg zunächst zurück in eine ganz andere Realität: zur bevorstehenden Matura. Auch sie ist ein Übergang – eine Tür, die sich öffnet und neue Wege sichtbar macht. Viele Möglichkeiten warten, viele Fragen auch.
Ein herzlicher Dank gilt Mönch Manfred für die einfühlsame Führung, die vielen Gedankenanstöße und die Zeit, die er mit uns geteilt hat. Und ein ebenso großes Danke an euch alle – für eure Offenheit, eure Fragen und eure Bereitschaft, euch auf diesen besonderen Abschluss einzulassen.
Es war ein schöner, stimmiger Schlusspunkt des Philosophieunterrichts.Und vielleicht auch ein Anfang. Viel Glück für die bevorstehende Matura!
Roswitha Winsauer – Psychologie und Philosophie-Lehrerin