Das Große Fressen: Eine Darmspiegelung für unsere Konsumgesellschaft

Man spricht nicht gerne über ihn, und doch ist er eines der wichtigsten Organe unseres Körpers: Der Darm erfüllt mehrere unerlässliche Funktionen. Er ist der Torwächter, der unserem Essen die Nährstoffe entzieht, und seine Milliarden mikrobiellen Mitbewohner sind maßgeblich für unser mentales Wohlbefinden mitverantwortlich. 

Aufnehmen, aussaugen, ausscheiden: Für eine Gesellschaft, die den Konsum zu ihrem Leitprinzip auserkoren hat, könnte es kein treffenderes Symbol als ihn geben.

Und doch: Wo gibt es außerhalb eines Arztbesuches die Möglichkeit, unsere Verdauung genauer unter die Lupe zu nehmen? Von dem Umstand, dass ausgerechnet die Kultur nicht vor einem Blick nach innen zurückscheut, durfte sich die Kultur- und Performance-Klasse 2ca der HAK Bregenz persönlich überzeugen: Unter der Ägide von OStR. Mag. Roswitha Winsauer-Fink und Florian Wiesbauer, BEd, waren 32 SchülerInnen zu einer ganz besonderen Führung durch die Installation „Indigestibles“ der israelisch-finnischen Künstlerin Dafna Maimon geladen. Ein begehbarer, überlebensgroßer Darm inklusive adäquater Klangkulisse wartete darauf, erforscht zu werden und hielt die Besucherschar dazu an, über den Konsum von Kalorien und Kunst im Kapitalismus kritisch zu reflektieren. Abgerundet wurde der Besuch durch einen detaillierten Exkurs zum organisatorischen Rahmenwerk von Kulturveranstaltungen durch die Bregenzer Kulturamtsleiterin Mag. Judith Reichart sowie ihre Assistentin Julia Hagspiel, BA. 

Eine kritische Ausstellung, die der Gesellschaft den (Darm-)Spiegel vorhält, kombiniert mit einer einmaligen Lerngelegenheit in puncto Kulturmanagement: Die 2ca bedankt sich aufs Herzlichste für diese tiefgründigen und doch leicht verdaulichen Eindrücke!

Florian Wiesbauer

Zurück